Autorinnen und Autoren der Literaturtage

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Alexander Peer

„Es war einmal ein Wolf, der sich fürchtete,  allein in den Wald zu gehen, weil dort das Rotkäppchen lauerte. Ins Schloss konnte er auch nicht, da ihn dann Dornröschen stechen würde und in den Ostklub ging er schon Jahre nicht mehr, reichten nicht die fünfzig Schühchen all dieser Aschenputtel, 
die in seiner Wohnung herumlagen?“  Aus: Bis dass der Tod uns meidet, Limbus 2013
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Amos Postner

„Der Stadtplan scheint ihn nicht zu interessieren, nur weiterhin dieses Lächeln auf den Lippen, zu dem er wie so viele keinen Abstand gewinnen kann - überall, wo ich hin-komme - bei Vorträgen auf der Uni, in Cafés, im Theater, auf dem Magistrat - dieses Lächeln-fünfzig-Plus, ein ständiger Begleiter. Es hat etwas von einer Sicherheit, der ich nicht traue. Ich glaube meinem Vater eher, wenn er spricht, als wenn er lächelt.“ Aus: Der Vater, die Mutter, das Kind, 2016 

 

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André Pilz

" ... denk'  an einen Menschen, den du über alles liebst. Und jetzt stell' dir vor, dieser Mensch wäre eingesperrt in einem Zimmer, Tag für Tag, Nacht für Nacht. An den Fenstern wären Gitter, in dem Zimmer gäbe es ein Bett, ein Waschbecken, einen Spiegel, einen Wecker und einen Stuhl. Sonst nichts. Denk', dass der Mensch weder weiß, wann, noch, ob er überhaupt jemals wieder herauskommen würde. Und dass er jeden Befehl befolgen müsste. Jeden. Ansonsten gäbe es Schläge, Essensentzug." Aus: Bataillon d'Amour - Eine Geschichte von Liebe und Gewahlt, 2007

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Bastian Kresser

"Oft frage ich mich, wer ich bin. Wer ich war, als wir unsere Leben noch gegenseitig definierten. Erzähle ich von dir, überkommt mich ein Gefühl, das ich zuvor - vor dir - nicht gekannt habe. Ich gebe ihm den Namen Ohnedich. Dir gefällt das. Du fragst: "Wie fühlst du dich heute?" Ich antworte: "Ohnedich." "Ist das gut?", fragst du. "Meine Gedanken sind bei dir", antworte ich. "Das ist gut." Aus: Ohnedich, 2013

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Benjamin Quaderer

"Ich bin der Landstraße weiter gefolgt, die mich durch Dörfer geführt hat, deren Namen ich bald nicht mehr kannte. Weil mein Moped frisiert war, das heißt pfeilschnell im Flachen, aber bei der leichtesten Steigung konntest du es vergessen, habe ich versucht, Straßen, die bergauf führen, zu meiden, aber versuch das mal in der Schweiz." Aus: Für immer die Alpen

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Bernd Schuchter

„Je näher er der Stadt Breda kam, desto widriger wurde das Klima, wie es für die Spanischen Niederlande bekannt war. Im Sommer feucht und kühl, im Winter feucht und kalt bis zum Erfrieren. Dazu der Krieg, der nun schon viele Jahre ins Land zog. Darüber ein ewig grauer Himmel, so weit das Auge blicken kann; bis zum Horizont und weiter. Callot fror – und mit ihm ein ganzes Land – Mensch, Tier, Boden.“ Aus: Jacques Callot und die Erfindung des Individuums, 2016

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Carlos Peter Reinelt

„Die werden uns schon noch finden, wahrscheinlich sind sie jetzt schon mit dem Krankenwagen unterwegs. Die helfen uns. Ich hab’s ja selbst gesehen, die Plakate. Du hast sie geformt, diese Menschen! Da waren sie! Menschen mit Banner, „Willkommen in Osterreich“ hat’s da geheißen. Ich hab’s geschafft. Alle haben sie gesagt, überstehst du das Mittelmeer, hast du’s geschafft. Ich bin übers Mittelmeer gekommen. Ich bin schon in der EU, seit zwei Wochen. Ich bin jetzt endlich da. Die Luft hier drinnen fühlt sich wie Blei an. Wieso schreien die so?“ Aus: Willkommen und Abschied, 2016

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Christian Zillner

„Wir Weiber sind Bluter.
Es braucht nicht einmal
einen, der uns sticht. Ein
Eistich pro Monat genügt.
Das Erinnern ist regelmäßig
und wenn du selbst ständig tropfst,
willst du nicht andauernd
andere zur Ader lassen. Genug
eigenes Blut an den Händen.“
Aus dem Gedicht: Wovon die Welt nur träumen kann, in „Aus dem Alltag
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Christoph Linher

"Ich habe mich oft gewundert über diese Vorstellungsresistenz, über die Leichtigkeit, mit der schwerwiegende Worte in den Mund genommen werden. Wir befassen uns immer nur mit den Begriffen allein und noch selten mit deren tiefgreifenden Bedeutungen, wir halten das Blau des Himmels für wirklicher als die sich ausdehnende Kälte dahinter." Aus: Farn - Eine Erzählung aus dem Off, 2016

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Claudia Tondl

„Meine Großmutter war der Ansicht, dass das viel zu wenige Menschen tun. Atmen. Natürlich atme ich mein Leben lang. Wenn ich in der Minute elf Mal atme, sind das 660 Atemzüge pro Stunde, 15.840 Atemzüge pro Tag, 5.781.600 Atemzüge pro Jahr, und angenommen ich werde 83,91 Jahre alt, wie mir das die Statistik prophezeit, werde ich 485.134.056 geatmet haben bevor ich damit aufhöre.“ Aus: Ein . Aus, Kurzprosabeitrag für BREATHE AUT, EXPO Milano 2015

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Constantin Göttfert

"Heimat - das gibt es nicht mehr. Es gibt ein Haus und einen Hof und einen Kartoffelacker, wusste Ina, und Weinberge und eine Kirche und Birkenwälder und die Ruinen einer alten Burg, aber das alles zusammen sei trotzdem keine Heimat mehr." Aus: Steiners Geschichte, 2014

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Daniela Egger

"Da war ich einen kurzen Moment an einem Bretterverschlag vorbeigegangen und sah nichts weiter als ein Mädchen, das dort in der Hitze und in dem Dreck ihren blöden Verschlag putze. Dieses Putzen fand ich so absurd inmitten des ganzen Elends, das sie umgab. Und sicher nur das Putzen war es, was mich dabei so iritierte, denn das hätte auch zu einer Verrückten gepasst, die sich nach ihrem Abstieg in die Slums noch einbildete, in einem Palast zu wohnen und dort Goldklingen zu putzen - aber das war sie nicht. Sie war fröhlich und strahlte, als wäre die Welt vollkommen." Aus: unveröffentlichtes Manuskript, 2014

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Deborah Macauley

„... denn niemand möchte dein Elend sehen,  und niemand erträgt dein Glück, das du spürst.“ 
Aus: Dreck klebt
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Eva Woska-Nimmervoll

„Wie stellt man sich? Nimmt man da seine Zahnbürste schon mit? In Gedanken sehe ich mich mit Rucksack und Heinz Richtung Polizei gehen. Bei der Ampel warten. Doch dann sehe ich mich in die andere Straße abbiegen, die vom Polizeiposten wegführt. Ich kann Heinz nicht mitnehmen ins Gefängnis. Und zwanzig Jahre draußen warten kann er auch nicht. Man stellt sich nicht. Man stellt sich tot.“ Aus: Heinz und sein Herrl, (Arbeitstitel)

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Fabian Oppolzer

"Paul versucht, sich aus ihrem Griff zu winden, aber sie schlingt ihre Arme nur fester um ihn. Er beginnt zu schreien, aber sie lässt ihn nicht los. "Sei ein braves Kind", sagt sie. "Sei lieb." Aus: Kein böses Kind, 2013

"Gibt es Sinfonie?", frage ich. "Selbst die ersten drei Sätze existieren nur als Idee ... ihr hätte sie niemals finden können." "Wird er sie je schreiben?" "Das weiß keiner." Aus: Höllensturzsinfonie, 2014

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Franziska Füchsl

„das buch ist eine ansammlung von rustle, geraschel.  nicht redlich ist das buch, liederlich, nimmerstill 
und nimmersatt, rustling, säuselnd, ein schütteldich von blättern.  zehn dezibel : so verhält sich der atem zum buch. so nah sind wir uns.“  Aus: rätsel in großer schrift , edition mosaik 2018
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Gabriele Bösch

"Das verblasste Porträt zweier Liebender. Sie beobachtet, wie jene Frau dort langsam die Arme mit den Armen des Mannes verschränkte. Wie ein noch kahler Baum im Nebel standen sie. Ein Wiegen in der Bewegung, als trotzden sie Böen. Ein anderes Wiegen in ihrem Blick." Aus: Schattenfuge, 2012

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Georg Petz

"Der Teppich wie ein fremdes Fell, die Decke schläft, ein schwarzes Tier, eng an die Wand gedränkt, das Kissen hat sie sich gleich nach dem Aufstehen einverleibt, verdaut es jetzt, der Bildschirm läuft noch, der PC, zwei kurze Klicks, wie lautet die Parole? Westwind. Enter Password, FuckUall." Aus: Im Westen nichts Neues, 2014

"Ich erzähle diese Geschichte nie wieder. Wir hatten Recht, werde ich zu Julia sagen, man dürfe nicht mit dem Orkus in Berührung kommen. Es sei klug gewesen, in unseren Geschichten stets die Luft anzuhalten, und ich werde ihr auch nie davon erzählen, wie der Boden des Mühlgangs plötzlich zur Bewegung wird und das Floß ins stille Wasser hineindriftet." Aus: Im Zeichen des Krebses, aus dem Band Millefleurs, 2015

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Hans Platzgumer

„Die vielen Strecken meines Lebens, die ich nicht wahrnehmen,  nicht festhalten hatte können, in meiner Erinnerung legte ich sie mir zurecht. Sie veränderten sich, entwickelten sich, wurden ausgebaut oder verdrängt. Das durften sie. Jedes Leben war eine Geschichte, jeder Mensch ein Erfinder. Je besser man sich selbst und anderen von seinem Leben zu berichten wusste, desto einfacher war es, der Protagonist dieser Geschichte zu sein.“ Aus: Drei Sekunden Jetzt, Paul Zsolnay Verlag Ges.m.b.H., Wien 2018
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Hansjörg Quaderer

„Sein erstes Bild in öffentlicher Hand befand sich im städtischen Fundbüro. Die Eichkätzchen am Kanal haben zu blühen begonnen und verströmen ein Leuchten geradezu in den hellichten Tag. - Ein anderer Künstlertyp: Kunst ist ihm etwas Ansteckendes, Infektiöses, beinah eine Kinderkrankheit, die ausbricht wie Masern, im Fieberschub kommt, ein Zustand, der ins Gewöhnliche verebbt und vollends verflacht...“ Aus: peripher, 1998

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Irene Diwiak

"An manchen Tagen konnte er kaum schreiben, weil ihn die Faszination an seiner eigenen virlschichtigen Persönlichkeit davon abhile. Sein Geist war so groß, dass nicht einmal er, der Herr der Buchstaben, Worte dafür finden könnte. Eine Art religiöse Rührung trieb Tränen in seine Augen, während er einschlief. Sein Schlaf war selig. Seine Träume beteten zu ihm selbst." Aus: Der Klang der Frauen, Roman-Manuskript

35408124

Isabella Krainer

ich
in fetzen
nur
meine papiere
sind
ganz
Aus: identität, 2016

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Katharina Klein

„Jemand wirft eine Weinflasche aus dem Fenster Fahrradbremsen quietschen wie mein Plastik denke ich ein Fluchen ein Hund bellt Bist du noch wach eingesunken im Delirium vom Raum fast vergessen Da sind welche im Lift stecken geblieben erinnert sich der Raum an mich Und andere von der Dachterrasse geflogen wie die Vögel sagst du und lächelst Wie die Vögel breitest die Arme aus und schlägst mit den Flügeln“ Aus: Schnapsschüsse, 2016

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Linda Achberger

"Wenn David morgens nur in der Unterhose in der Küche steht, Kaffe in der kleinen silbrigen Kanne aufsetzt und das Streichholz an die Gasflamme hält. Und der Geruch des Gases, der sie an früher erinnert, als die Soldaten in die Häuser kamen und in den Kellern die Gashähne aufdrehten." Aus: Arjana & David, 2015

35408186

Martina Mittelberger

"Es war eine gespenstische Nacht. Anna und Josef hielten sich an den Händen und blickten in das vom Regen diffus gestreute Halogenlicht hinaus. "Warum helfen die Karfreitagseier nicht?", fragt die Wirtin ihren Mann. Der blieb stumm, drückte ihre Hand fester. Ana wusste wohl, dass Josef keine befriedigede Antwort geben konnte, aber all ihre Gedanken finden wie Fragewörter an. "Warum zerstört der Herrgott seine eigee Kapelle? Oder ist es gar der Leibhaftige, der unsere Heimat dem Erdboden gleichmacht? Wer hat ihn heraufbeschworen?" Aus: Flurbereinigung, 2009

35408194

Max Lang

"Der Wind rüttelte weiter an den Festern. Er wollte hinein. Er wollte durch die Wohnung fegen. Er wollte die Sachen des Alten durcheinander bringen. Die Zettel, die Unterlagen, die medizinischen Befunde, die Notenblätter, er wollte das Cello wachrütteln, auf dem der Alte gespielt hatte - Schubert, Tschaikowski - er wollte das Feuer im Herd löschen, an dem sich seine Verwandten zu wärmen versuchten […]" Aus: Der Herd, Erzählung, 2014

35408203

Maya Rinderer

"Aller Tod hate vor meiner Geburt stattgefunden. Die Familie meines Großvaters mütterlicherseits war in den verschiedenen Lagern von Europa ermodert worden, die Urgroßeltern väterlicherseits waren schlichtweg schon früh al und schon immmer arm gewesen." Aus: Familienerzählungen (Arbeitstitel), 2015

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Michael Köhlmeier

„Ich war kein Handschuh, ich war  ein lebendiges Ding mit einem Mund noch ohne Zähne und einem 
Magen, und der war leer und wollte nicht leer sein.  Ich hatte Hunger und Durst, und ich pfiff und fiepte und grapschte mit meinen winzigen Pfötchen, die ganz von allein nach den Zitzen meiner Mama suchten.“
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Monika Helfer

„Das Bett ist der Wartesaal meiner Träume“ Aus: Das Bett, 2017

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Moritz Heger

All die Kinderblicke durch die hinteren Scheiben
all der Autos auf den Autobahnen …
Nie so fern die Kinder von den Eltern
wie in diesen langen Seitenblicken …
Doch sie sehen nur einsam aus die Kinder
eine Kopfstütze entfernt von ihren Eltern
wenn sie riefen kriegten sie sogleich gereicht
Süßigkeiten Obst und was zu trinken
Einsam sind hier nur die Blicke
fortgeschickt von ihren Kindereltern …
Aus: Andere Spur
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Nadine Kegele

"Vielleicht werde ich verrückt. Wenn man allein ist, merkt man das nicht sofort, oder erst, wenn es zu spät ist. Die Katze ist kein guter Gradmesser. Ich meinte: Wir reden miteinander." Aus: Bei Schlechtwetter bleiben Eidechsen zu Hause, 2014

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Paul Ferstl

"Die Liebe ist ein dubioses Geschäft, eher parasitär als symbiotisch angelegt; wenn nicht gar die Rolle eines Saprophonagen gespielt wird, eines Fressers von toter organischer Materie, falls die andere Person nur noch durch die Verdrängung exisitert, die sie im Raum erzeugt." Aus: Der Knoten, 2014

35408232

Philipp Röding

"Manchmal hatte ich im Supermarkt diese Schmerzen. Supermarktphantomschmerzen. In Wirklichkeit sagt mein Vater fast nie etwas. Manchmal kamen mir im Supermarkt die Tränen. Dann setzte ich meine Sonnenbrille auf. und meine Trauer wurde unsichtbar für die anderen Verbraucher. Einmal habe ich eine Verbraucherin gesehen. Eine junge Frau. Die weinte im Supermarkt. Sie meinte und hielt ein Glas Uncle-Bens in der Hand. Und weinte. Sonst war da nichts. Es war wunderschön." Aus: Nemesis oder we will all die alone and unloved

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Sabine Bockmühl

„Es gab keine lineare Zeit. Manchmal war ihr, als sei alles  gleichzeitig. Wenn eine Erinnerung wie eine Fäulnisblase aus der Tiefe stieg, war alles da, kein Polaroidbild, sondern dicht und körperlich spürbar. Nichts kann getilgt werden, es schlummert nur. Man muss aufpassen, dass man es nicht weckt. Hast du einen Freund gehabt vor dem Neni? Nana?“ Aus der Erzählung: Bitterkraut, 2017
35408236

Sarah Rinderer

"wie wenig platz wir auf der gepäckablage brauche, sagt oskar. auch philomena schaut nach oben. vielleicht wird man über die jahre zur reisetasche des anderen. gefüllt bis zum rand mit umgespulten erinnerungen. sekunden, die man sonst aus dem film herausschneidet." Aus: das blinken der windräder vor paris, 2015

53465066
Tabea Steiner

„Die vier jungen Fischer sind herangefahren  und wollten sich erkundigen, Hilfe anbieten, aber sie haben zu spät gemerkt, dass das andere Boot voll war, übervoll, bewaffnete Männer sind auf ihr Boot gesprungen und haben zwei der jungen Fischer gefesselt und ins Meer geworfen, und die zwei zurückbleibenden Fischer entschieden sich rasch zwischen springen und sterben und sprangen.“ Aus: So viel Fisch (AT), Manuskript in Arbeit © 2018 Tabea Steiner
35408240

Theodora Bauer

"Die Tante Meri ist im Grunde genommen eine liebe Person gewesen. Der Ferdl hat sich das immer wieder gesagt. Er ist sich nicht sicher gewesen, ob das irgendwer anders auch so gesehen hat, aber er, der Ferdl, hat es gewusst." Aus: Der Fall der Tante Meri, 2014

35408253

Thomas Welte

FRANZÖSISCHE SOLDATIN: „Und jetzt schwöre mein Sohn, schwöre bei den Schlangen des Melkart, den Eid des siebenfachen Hasses auf Rom, nie versiegende Feindschaft, kein Friede, kein Waffenstillstand, keine Gnade, solange du lebst. Und Hannibal schwor: solange ein Römer über Land geht oder auf dem Wasser segelt, soll sein Hass niemals versiegen. Kitschig was? Immer noch keine Angst?“ Aus: Das Verhör, 2013

53465071
Verena Rossbacher

„Und, was von diesem Leander gehört in letzter Zeit?“,  fragte der Kulturjournalist der renommierten Zeitung. „Nicht direkt. Neulich allerdings sah ich in den Medien ein Bild, ich bin mir fast sicher, das war er. Er hatte seinen Fuß auf den abgeschnittenen Kopf eines Journalisten gestellt. Leander sah glücklich aus. Ich glaube, es war ein Kulturjournalist.“ „In den Medien“, sagte der Kulturjournalist. „Ja, Medien“, sagte ich. 
„Man könnte sagen“, meinte der Kulturjournalist, „das setzt  Ihrem an Unsinn nicht gerade armen Leben die Krone auf.“ „Vielleicht haben Sie Recht“, sagte ich. Aus: Nimmt der IS eigentlich jeden? oder Was tut Usain Bolt, wenn er verliert? oder Hat Käpt’n Ahab je gelacht?
35408259

Volker Demuth

"Es ist in meinen Augen die Geschäftsbedingung der Literatur, der Deal, den ein Schriftsteller mit der Sprache macht, dass er sich zur Instanz eines Welzusammenhangs erklärt, auch wenn er in der Gegenwart stöbert wie ein Hund im Straßenmüll." Aus: Zur Sprache kommen oder Schreiben.doc, 2012

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Wolfgang Bleier

"Die Nacht ist ein Hospiz für Vernachlässigte; darin gibt es Übernachtungsmöglichkeiten und Ausflugslöcher; wir wohnen ein Weilche in Gästezimmern und schauen in die Finsternis." Aus: Fischfang bei aufgehender Sonne, 2015